Praxistipps

Hier finden Sie Praxistipps und Erfahrungsberichte aus unserer Arbeit.

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Eine Allianz der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, des Instituts für soziale Innovationen e.V. und des Pädagogischen Instituts Berlin


Aus der Praxis - erschienen im PIB-Newsletter 01/2021

 

KinderWürde kreativ - Praxistipps für Praxen, Schule, Kitas,Jugendhilfe.                                                 

Fingerabdruck-Bilder
von Dr. Udo Baer


Fingerabdruckbilder sind eine niedrigschwellige gestalterische Methode, die Spaß macht und bei der es kein „richtig“ und kein „falsch“ gibt. Sie hat sich besonders mit Kindern bewährt: in der Therapie und Pädagogik, in Praxen, Schulen und Kitas. Die Methode dient dazu, dass die Kinder ganz ungezwungen miteinander und mit den Fachkräften ins Gespräch kommen, dass sie von sich erzählen, ihrer Phantasie freien Lauf lassen, von ihren Vorlieben, Wünschen, Träumen aber vielleicht auch von ihren Sorgen und Ängsten erzählen. 
 
Die Methode: 
 
Nehmen Sie einige alte Stempelkissen oder einige Kleckse von Gouache-Farben auf einem Papierteller. Das Kind oder die Kinder drücken nach und nach jeweils eine ihrer Fingerkuppen hinein. Dann drücken sie sie auf ein großes Blatt Papier, so dass nach und nach lauter Fingerabdrücke auf dem Blatt entstehen, ganz verschiedene in unterschiedlichen Farben. (Fingerabdrücke können auch entstehen, indem Pastellkreiden auf einen Finger gerieben werden und dann mit dieser Farbe der Finger auf das Papier gedrückt wird.)

Wichtig: Unterbrechen Sie diesen Prozess, wenn das Blatt zu voll wird. Die Fingerabdrücke sollten meistens noch einzeln zu sehen sein, die weiße Fläche sollte größer sein als die farbigen Punkte.
Nun legen die Kinder die Farben beiseite und nehmen sich einen Kugelschreiber oder Bleistift. Bitten Sie das Kind oder die Kinder jetzt aus je einem Fingerabdruck oder einem Fingerabdruck-Haufen eine Figur zu zeichnen. Zum Beispiel einen Menschen, indem sie Kopf, Arme, Beine um den Fingerabdruck herum zeichnen. Oder ein Tier, ein gefährliches Monster, eine andere Fantasiefigur ...
Danach können die Kinder noch Verbindungen zwischen den Figuren einzeichnen, Umgebungen malen ... was immer ihnen einfällt ...

Wenn Sie diese Arbeit als Gruppenarbeit durchführen, sollte die Gruppe nicht zu groß sein, damit alle um ein Blatt herum passen: sechs bis acht Personen. Die gemeinsame Gestaltung fördert, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, schafft Verbindungen ohne Worte.
Wenn Sie die Anleitung nicht sprachlich übermitteln können, dann machen Sie vor, was Sie meinen. Das steckt an und das kommt an.

Für geflüchtete Kinder und Jugendliche hat diese Arbeit noch eine besondere Bedeutung. Fingerabdrücke sind wie Stempel und Formulare Zeichen der Unterdrückung und Gefahr. Sie können triggern. Hier wird umgedeutet: Aus Fingerabdrücken werden Figuren, entstehen Verbindungen usw. Diese Arbeit trägt so zur Traumaverarbeitung bei.


Aus der Praxis - erschienen im PIB-Newsletter 04/2020
Corona-Zeit: Folgen für Kinder - Erkennen und damit umgehen"                                                   

von Dr. Udo Baer

Die Corona-Pandemie und deren gesellschaftliche Auswirkungen haben Folgen für Kinder jeden Alters. Für manche sind sie stärker, für andere schwächer – je nach den Vorerfahrungen der Kinder und deren Lebensbedingungen. Es ist wichtig, von diesen möglichen Folgen zu wissen, um damit kindgerecht umgehen zu können. Denn die Kinder sprechen die Folgen oft nicht aus. Die Zahl der Kinder, die angeben, dass sie psychisch belastet sind, steigt seit dem Frühjahr enorm, laut der Copsy-Studie des Hamburger Universitätsklinikums, auf 71 Prozent.
Diese Thesen sollen erste Hinweise geben. hier weiterlesen


Aus der Praxis- erschienen im KINDERWÜRDE- Newsletter 03/2019

Praxistipp: Die Schlittenfahrt

von Udo Baer

 

In diesem Spiel geht es besonders darum, dass die Kinder gehört werden und ihre Anweisungen unmittelbare Wirkung zeigen.

Das Spiel kann nur auf einem Boden durchgeführt werden, der kein Teppichboden ist, sondern Holz, Laminat oder einen ähnlichen Belag hat, auf dem man gut rutschen kann. Eine Decke wird auf dem Boden ausgebreitet. Ein Kind darf sich auf diese Decke setzen, möglichst an eine Seite, und sich an den Rändern der Decke gut festhalten. Das andere Ende der Decke wird von einer oder einem Erwachsenen in die Hand genommen. Die Decke ist der Schlitten. Die Fachkraft, die zieht, ist das Rentier. Das Kind steuert den Schlitten. 
Das Kind auf dem Schlitten gibt Anweisungen: »Rechts!«, »Links!«, »Geradeaus!« oder »Stopp!« bzw. »Halt!«. Wenn Kinder noch nicht über diese Worte verfügen oder sie verwechseln, dürfen die Kinder nur »A« oder »O« rufen. Und das laut oder leise, schrill oder sanft, wie auch immer ihre Befehle und Anordnungen klingen. Das Rentier, die Erzieherin/der Erzieher, hört auf die Anweisungen des Kindes und zieht den Schlitten durch den Raum. Die anderen Kinder stehen dabei und feuern das Rentier oder das Kind auf dem Schlitten an.
Wenn die Kraft reicht, ist es wunderbar, wenn jedes Kind einmal auf den Schlitten darf. Sie können auch ansagen, dass an jedem Tag drei Kinder Schlitten fahren dürfen.
Eine Variante kann darin bestehen, dass z. B. in einer Turnhalle ein Kasten verkehrt herum auf eine Decke gelegt und gezogen wird. Die Schlittenfahrt darf nicht zu schnell sein, egal wie sehr die Kinder dies wollen. Es reicht, wenn die Schlitten sich langsam bewegen. Es geht nicht um die Geschwindigkeit, sondern um die Wirksamkeit. Je schneller ein Schlitten fährt, desto größer ist die Gefahr, dass ein Kind loslässt und umfällt. Mit ein wenig Achtsamkeit kann diese Gefahr ausgeschlossen werden.
 
Aus: Udo Baer. Traumatisierte Kinder sensibel begleiten. Basiswissen und Praxisideen. Nikolo. Beltz